Archiv der Kategorie 'Abrocken'

In der Metaphernhängematte

kaput krauts Warum will ich über straße kreuzung hochhaus antenne, das neue Album der kaput krauts schreiben? Ich kann es nicht unbeschränkt empfehlen. Wahrscheinlich, weil es genau diesen zwiespältigen Eindruck hinterlässt.
Zunächst Mal ist die Platte gewohnte krauts-Mucke: wütend, kompromisslos, Punk im Sinne von Verneinung und der Verweigerung von positivem Denken und konstruktiver Kritik. Strikt DIY und musikalisch durchaus nicht langweilig. Hier kommen wir aber zum ersten aber: eingängig ist was anderes. Auch nach mehrmaligem Hören vermögen die Songs nicht im Gedächtnis hängen zu bleiben. Die Lieder bleiben seltsam sperrig und unzugänglich.
Textlich bewegen sich die krauts auf hohem Niveau und lassen hier die meisten anderen Deutschpunk-Bands weit hinter sich. Gegen die Gesamt-Scheiße wird hier gesungen, ach was, gebrüllt und geschrieen. Aber ohne Plattitüden und Phrasendrescherei. Das geht soweit, dass man vor lauter Anspielungen und verdrehten Wortspielen nicht mehr genau weiß: ist das jetzt message oder nur um des Wortspiels Willen getextet? Oder, um mit ihren eigenen lyrics zu sprechen:

heute schon in der metaphernhängematte. morgen noch mit 130 auf dem holzweg.

Aber es wäre unfair, diese Zeile als programmatisch für das Album zu bezeichnen. Zum großen Teil treffen die krauts des Pudels Kern: scheiß Szenepolizei, scheiß Fernsehen, scheiß Pop,

kein bock auf pseudoangepisstes motzen. erst recht nicht auf zufriedenheit und satt. ich will den ganzen scheiß nicht mehr. ich bin sowas von raus.

Das Gefühl, das zurückbleibt ist: fuck, die haben Recht, eigentlich müsste man alles kaputthauen. Alles andere wäre verlogen. Und trotzdem gehts irgendwie weiter, irgendwie ist doch immer wieder future.

ich will doch nur ruinen.vorschlaghammer. schutt und asche. die axt im walde ist meine masche. ich will doch nur jetzt und hier, immer und überall alles ruinieren.

Es wird noch heißer…

Here we go!
Gespannt sein darf man auf den neuen Longplayer von Rancid (genauer VÖ-Termin steht noch nicht fest). Auf der Website kann derweil schon der neue Song Fuck you angehört und umsonst runtergeladen werden: http://rancidrancid.com/news/2012/12/18/new-single-fuck-you-free-download/

Ebenfalls Anfang 2013 soll die neue Platte von SKA-P erscheinen. Die letzte Veröffentlichung der spanischen Ska-Punk-Band liegt schon ein Weilchen zurück. Nachdem die Nachfolgeprojekte in Punkto Power nicht so richtig überzeugen konnten hoffe ich auf ein Feuerwerk aus Spritzigkeit und Gesellschaftskritik…

Und last but not least haben auch Down To Nothing für Anfang 2013 eine neue Veröffentlichung angekündigt. Seit Oktober befinden sie sich in Californien im Studio, um unter der Regie von Nick Jett (Terror) ein hoffentlich knallendes Hardcore-Brett einzuspielen.

2013 kann kommen!

Das fängt ja gut an!

2013 wird heiß. Ein paar spannende Veröffentlichungen stehen uns bevor.

Am 25. Januar wird das neue Album von Hatebreed via Nuclear Blast veröffentlicht. Es wird The Divinity Of Purpose heißen und verspricht gewohnte Hatebreed-Qualität. Hier kann schonmal ein Song aus dem Album angehört werden:

Die Band wird außerdem als Headliner der diesjährigen EMP Persistance-Tour durch Mitteleuropa touren.

Das neue Bad Religion-Album wird True North heißen und am 22. Januar erscheinen – natürlich beim hauseigenen Label Epitaph. Als Hörprobe wurde der Song Fuck You ins Netz gestellt:

Auch Bad Religion kommen im nächsten Jahr nach Europa: mehrere Festivaltermine wurden bereits bestätigt, darunter auch Rock im Park/Rock am Ring.

Schon im Januar auf Tour sind Deez Nuts (Vorsicht, Facebook!), zusammen mit The Ghost Inside, Devil in me und Stray from the Path. Deez Nuts haben beim Metal-Label Century Media unterschrieben und bringen ebenfalls Anfang 2013 mit Bout It ein neues Album raus, Termin steht aber noch nicht fest.

Nach einer längeren Pause dürfen wir auch einen neuen Longplayer von Snuff erwarten! Am 8. Januar wird 5-4-3-2-1-Perhaps! bei Fat Wreck Chords erscheinen. Ich bin gespannt.

Fünf Jahre Zeit haben sich auch Mad Caddies gelassen, ehe sie sich erneut ins Studio begeben haben. Distress 2012 kann man sich bereits anhören, der Song ist erstmals auf dem 1997er Album Qualitiy Soft Core erschienen und jetzt neu überarbeitet worden.

To be continued…

Tony Sly ist tot

Tony SlyDer Sänger der Punk-Band No Use For A Name starb viel zu früh (ab wann ist es eigentlich nicht zu früh?). Hier gehts zu seiner memorial-Seite:

http://tonysly.org/index.php/home

Die Toten Hosen zur Lage der Nation

Ich gebe ja zu, sie hat mich ein wenig gepackt, die neue Scheibe der Toten Hosen. Ballast der Republik ist nicht nur der Titel, sondern auch ein erstmal schönes Wortspiel. Die meisten Songs gehen gut ab, da ist kaum ein Aussetzer dabei, wenig Peinliches diesmal. Liegt wohl auch daran, dass viele Lieder sehr hymnisch sind und sofort mitsingbar, was ja nicht unbedingt ein Makel ist.
Aber was genau will Campino mit dem Text zu Ballast der Republik sagen? Los geht es als kleine Geschichtsstunde:

Ein ganzes Land kniet nieder
Und sagt: „Es tut uns leid“
Wir geben zu, wir haben den Krieg verloren
Doch das ist jetzt vorbei

Mmmh, ein ganzes Land kniet nieder? Vor wem? Die Deutschen sind besiegt worden, ehe sie gesenkten Hauptes sich den Befreiern gebeugt haben. Leid tat vielen vor allem, dass der Krieg nicht gewonnen worden ist… Weiter gehts:

Uns ist klar, wir müsen büßen
Damit ihr uns verzeiht
Die Nation wird ausgewürfelt
Und dann durch zwei geteilt
Die Einen saufen Coca Cola
Die Anderen fressen Mauerstein
Hier feiert man Wirtschaftswunder
Und da den 1. Mai

Ok, ein bisschen vereinfacht, aber im Rahmen eines Songtextes darf man sowas. Jetzt kommt der Refrain:

Doch jeden Tag besucht uns
Derselbe Parasit
Alle tragen auf ihren Schultern
Den Ballast der Republik

So wird aus der jüngeren deutschen Geschichte, dem verlorenen Krieg und der deutschen Teilung ein „Parasit“, ein „Ballast“, den wir auf unseren Schultern tragen. Das ist verdammt nah dran am kollektiven National-Geist. Man muss froh sein dass es Ballast der Republik und nicht Ballast der Nation heißt…

Die alten Panzer sind verrostet
Wir sind wieder vereint
Heute quälen uns noch mehr Sorgen
Die Kohle wird verheizt

Wir haben keine Zeit mehr
Für Politik und Religion
Wenn wir an Götter glauben
Dann tragen sie Trikots

Was das nun genau soll, erschließt sich mir nicht. Dass „die Kohle verheizt“ wird, ist quälender als… ja was? Als die Shoah, von der und den Opfern deutsche Herrenmenschenmentalität übrigens an keiner Stelle die Rede ist? Der verlorene Krieg? Oder die Wiedervereinigung? Und ob wir keine Zeit für Religion haben (und was daran schlecht sein soll…) sei mal dahingestellt….

Es ist wie Pech, das an uns klebt
Der Ballast der Republik

In den Clubs auf den Straßen
Alle haben es so satt
Man tanzt bis in den Morgen
Doch die Sorgen fallen nicht ab

Jetzt kommen wir also zum Kern des Ganzen: die deutsche Geschichte hindert uns daran, sorgenfrei zu tanzen und Spaß zu haben, weil sie wie „Pech“ an uns klebt. Was dazu gedacht werden muss ist der Appell an die Juden, uns doch endlich mit der Shoah in Ruhe zu lassen, damit die „Sorgen“ von uns abfallen und wir wieder unbeschwert Nation sein können. Brrrr, macht Campino jetzt den Grass?
Leider wars ja schon in der Vergangenheit so, dass die politischen Texte der Hosen in eine ähnliche Richtung gingen und ziemlich verschwurbelt waren. Wahrscheinlich der Versuch, von platten Attitüden weg zu kommen, ohne diesem Anspruch gerecht zu werden.
Die klare poltische Positionierung gehört dagegen der eigenen Vergangenheit an. Da kann man aus Nostalgie-Gründen dann durchaus „Keine Macht für Niemand“ von Ton Steine Scherben covern, ohne dass diese Diskepanz den KritikerInnen auffällt. Popmusik eben.

UPDATE: Beim nochmaligen lesen ist mir aufgefallen, dass der Songtext ständig von einem kollektiv-nationalen „Wir“ ausgeht, mit dem „wir Deutsche“ gemeint sind. Auch wenn Songtexte generell ungeeignet sind, komplexe Zusammenhänge in allen Facetten zu reflektieren, ist diese selbstverständliche Bezugnahme auf ein „Wir“ höchst problematisch. Zunächst ist sowas immer nur als Abgrenzung zu anderen (kollektiven) Identitäten zu denken („die Anderen“). Das wirft die Frage auf, wer dazu gehört und wer nicht. Und nicht zuletzt suggeriert es eine homogene kollektive Identität, die stets ein einheitliches Gefühl, eine einheitliche Meinung etc. hat (z.B. in der Zeile „Alle haben es so satt“). Widersprüche, Individualität, Minderheiten, Meinungsvielfalt werden zugunsten dieses „Wirs“ eingeebnet.
Und das obwohl bei den Hosen doch davon ausgegangen werden kann, dass sie eine gewisse Sensibilität für die Themen Minderheiten und Flüchtlinge mitbringen. Zu nennen ist ihr jahrelanges Engagement für PRO ASYL und der nicht zuletzt auf diesem Engagement beruhende Titel Europa vom aktuellen Album, in dem in eindringlicher Weise die Verantwortung der BRD für die Toten im „Massengrab Mittelmeer“ besungen wird.

Die Weisheiten des Punkrock

PennywiseDie Erwartungen waren hoch. So ein Sängerwechsel ist eine heikle Sache. Doch bereits bei den Konzerten von Pennywise hat sich gezeigt, dass Ignite-Frontmann Zoli Téglás ein großartiger Ersatz für den ausgestiegenen Jim Lindberg ist. Dieser hatte die Band 2009 verlassen, um sich mehr seiner Familie widmen zu können.
Und nun also ein Album mit dem neuen Sänger: All or nothing ist der programmatische Titel, und genau so geht es ab: alles oder nichts, voll auf die zwölf. Wer befürchtet hat, dass sich stilistisch was ändern würde, hat sich geirrt. Musikalisch knüpft der neue, wieder bei Epitaph erschienene Longplayer an ältere Werke wie Full Circle oder Straight Ahead an. Auch textlich bleibt die Band sich treu und verbindet Party-Spaß mit sozialkritischer message.
Nichts neues also? Ja und nein. Gewohnter Pennywise-Sound, unverwechselbar und doch jedesmal wieder überraschend.

Hier kann das Album im Stream angehört werden: http://soundcloud.com/epitaph-records/sets/pennywise-all-or-nothing

Bereits kurz nach seinem Weggang von Pennywise hat Jim Lindberg mit seiner neuen Band The Black Pacific gezeigt, dass er sich keineswegs zurücklehnt. Das selbstbetitelte Album ragt meines Erachtens über alles hinaus, was Lindberg mit Pennywise veröffentlicht hat.

Respekt

Respekt kann man nicht kaufen
Respekt ist nur ein Lohn
Es verlangt noch nicht mal Arbeit
Nur humane Umgangsformen

Frau Potz: Rendsburg (2012)

Check out Lehnt dankend ab!

Nützliches, Teil 5736

Checkliste beim besuch eines konzertes im Hotspot, Kassel. Unbedingt mitnehmen:

    * Schuhe mit griffigen gummisohlen
    * 20-30 nette leute
    * Ohrenstöpsel. Häh? OHRENSTÖPSEL! Achso.

Ich dachte es sei mal eine gute idee, nach Kassel zu fahren, um die großartigen Comeback Kid live zu sehen. Leider sahen das nicht viele andere genauso, und das konzert war etwas dürftig besucht. Das Hotspot ist ein kleiner, kuscheliger club, eigentlich eine ideale atmosphäre für ein hardcore-konzert. Angenehm überrascht war ich außerdem, dass noch drei andere bands spielten. Blood Command aus Norwegen hatten die undankbare aufgabe, die wenigen früh angereisten leute anzuheizen. Groß bemüht haben sie sich allerdings nicht. Die musik war ok, aber die leadsängerin ließ doch engagement und power vermissen.
Das änderte sich schlagartig mit der zweiten band des abends, Devil In Me. Deren sänger ließ es ordentlich krachen, die ganze band sprang auf der mini-bühne herum, und es wurde jede menge hc-spirit verbreitet. Daumen hoch für diese mir bislang unbekannte band!
Living with Lions folgte danach und nach etwas tempo wieder raus. Nett anzuhören, schöne punkige riffs, gute band.
Comeback Kid waren grandios. Hier zeigten sich aber die schwächen des clubs: Keine klimatisierung, daher brüllend heiß und außerdem ein rutschiger bodenbelag, der das pogen doch arg zu einem eiertanz machte. vor allem da kondenswasser, bier und schweiß die oberfläche feucht und damit noch glatter machten…
Aber egal, die combo ist hochklassig, bringen eine riesenenergie rüber und haben für mich alles, was eine gute hc-band haben muss. Auch wenn ich nach dem verlassen des Hotspot erstmal nichts mehr gehört habe, hat sichs gelohnt.

Festival im „Endlosen Land“

Ist schon ein paar stunden her, aber ich muss noch einige gedanken zum diesjährigen Serengti-Festival loswerden. Erstmal kam mir das line-up diesmal musikgeschmacklich sehr entgegen, mit Pennywise, Bad Religion, WIZO und Agnostic Front hatten die veranstalter einige kracher am start.
Auch wenn in meinem bekanntenkreis genölt wurde, „alles kommerzorientierte bands“, „viel zu teuer“, blabla. Ich steh nun mal auf die musik, bin ich mit aufgewachsen. Und außerdem, dieses gewichse auf DIY konnte ich noch nie ab. Klar, DIY ist super, aber nur weil eine band erfolgreich ist und t-shirts verkauft, fange ich nicht an, sie zu boykottieren. und wenn eine band stümperhaft und unprofessionell ist, ist sie noch lange nicht sehenswert.
Naja, davon mal ab war die stimmung super, das neue gelände auch. Die erste band, die gerockt hat waren The Creepshow, die mit ihrer neuen platte They All Fall Down ein psychobilly-brett hingelegt haben, und trotz der nachmittäglich frühen stunde ging das gut ab.
Das nächste highlight: Pennywise! Solider auftritt mit dem Ignite-frontmann Zloi Telas. Ist genau mein geschmack, da konnten die jungs nix falsch machen.
Allerdings hab ich mich da zum ersten mal gewundert, wieviel spacken mit Böhse Onkelz- und Frei.Wild-shirts bei Pennywise rumhampelten. Den passenden kommentar dazu lieferten später WIZO bei ihrem auftritt (ob ihnen die shirts auch aufgefallen sind?). Sie machten unmissverständlich klar, dass sie nicht nur schon immer gegen nazis und anderes pack waren, sondern auch gegen unklarheiten, unpolitisch und deutsch-nationalstolz-patriotisch. Danke dafür! Trotzdem waren auch beim auftritt von WIZO wieder jede menge komischer gestalten im publikum, die meinten, sie könnten ihre testosteron-überschüsse beim pogo ausleben. Ich sag dazu nur: Hardcore is more than music! Verpisst euch aufs nächste dorf-schützenfest, und zeigt da eure muckibuden-gestählten oberkörper, auf dass ihr von den örtlichen punks verjagt und von den mädels verlacht werdet…

So.

WIZO waren cool, haben ne gute mischung aus alten und neuen songs gespielt (ja, auch DAS lied!) und einen song von der kommenden scheibe präsentiert. Für meinen geschmack waren aber ein paar längen in dem auftritt. Die show mit der katze (bei Kopf ab, Schwanz ab, Hass) hätten sie sich sparen können, und auch ein paar andere pausenfüller, und dafür noch 2,3 lieder mehr spielen, aber gut.

Danach noch In Extremo, naja, nicht mein fall.

Am nächsten tag hab ich sehnsüchtig auf Agnostic Front gewartet. Vorher gabs aber nochmal Psychobilly, diesmal von Mad Sin aus Berlin. Die waren richtig cool, auch wenn sie es trotz höchster körperlicher anstrengungen nicht geschafft haben, die leute in größerer zahl zum tanzen zu bringen. Vielleicht zu schräg für so ein festival.
Dann also Agnostic Front, die als Ersatz für Sick of it all gekommen sind. Einfach nur geil.

Skindred waren schon zum zweiten mal in folge auf dem Serengeti, und haben wieder ordentlich gerockt. Der sänger hat die unglaubliche gabe, die leute zu animieren und in den bann zu ziehen. Auch wenn mich die neue scheibe der band nicht überzeugt hat, live sind sie auf jeden fall sehenswert.
Allerdings: warum muss man sich als band von einer bekannten schnapsfirma (mit dem hirsch) sponsoren lassen? da geht die kommerzialisierung sogar mir zu weit.
Bullet for my Valentine hab ich an mir vorbeirauschen lassen, auch wenn die show ganz gut war, ich hab mir meine kräfte für Bad Religion aufgehoben.
Ich hab sie ja erst jüngst in Bielefeld gesehen, und die sind immer wieder geil. Greg Graffin hebt sich mit seiner locker-lässigen, zynisch-satirischen art wohltuend von den metal-recken und posertypen vieler anderer bands ab und nach über 30 jahren sind die jungs einfach routiniert, ohne gelangweilt zu wirken. Mein urteil: immer wieder. Das gilt für BR genau wie für das gesamte festival.

PopfrisstPunk

riseagainst „Endgame“ heißt die neue scheibe von Rise Against. Und, ja ich habe mich drauf gefreut. Im letzten jahr habe ich sie mir noch live angesehen. Und mich damals gewundert, wie niedrig das publikums-durchschnittsalter war. „The Sufferer and the Witness“ hat mich 2006 noch weggehauen, „Appeal to Reason“ war kein überflieger, aber ein okayer nachfolger. Von „Endgame“ kann man das leider nicht behaupten.
Supersauber produziert, jede kante abgerundet und für den massengeschmack eingeweicht. Zwar bleibt die band ihren politischen zielen (zumindest in den texten) treu, aber ähnlich wie auch bei Anti-Flag ist der schulterschluss mit der kulturindustrieellen verwertungsmaschine zugunsten höherer chartplatzierungen ein pakt mit dem teufel. die sanften melodien hat man schon tausendmal gehört, sie vermögen nicht mehr zu entzücken. die wut, die sich in den texten ausdrückt, wurde von den experten der amerikanischen musikindustrie unter einen sarkophag gesperrt wie einst der reaktor von tschernobyl. und so wabert die musik von Rise Against an mir vorbei wie das aktuelle radioprogramm und kann keine bleibende erinnerung hinterlassen. schade, sehr schade.