Archiv für August 2010

Food Wars

Walden Bello, Politik des Hungers, Berlin und Hamburg (Assoziation A) 2010. (Verso 2009). Aus dem Englischen von Max Henninger.

Ich möchte euch dieses Buch sehr ans Herz legen. Es umreißt fundiert und überblickshaft die Veränderungen globaler Agrarpolitik und die Auswirkungen auf Bäuerinnen und Bauern. Dargestellt wird dabei vor allem die Tendenz, durch die Einbindung regionaler und nationaler Märkte auf den Weltmarkt die Ernährungssicherheit zu demontieren mit der Folge von Hungersnöten. Eine ausführliche Besprechung und eine Kritik des Buches findet sich hier bei materialien.org.

Allerdings – und das trübt den Lesegenuss – begeht der Autor, neben den in obiger Rezension angemerkten Unzulänglichkeiten, folgenden Faux-Pas:
Im Anschluss an zwei Kapitel, die die Veränderungen der mexikanischen und philippinischen Landwirtschaft beschreiben, folgt ein Kapitel über die Zerstörung der „afrikanischen Landwirtschaft“. Wurden in beiden vorangegangenen Kapiteln umfassend die durch die jeweilige nationale Regierung eingeleiteten Maßnahmen beschrieben, schert Bello ohne erkennbare Begründung alle 53 Staaten des Kontinents Afrika über einen Kamm, ohne auf regionale und staatliche Unterschiede einzugehen. Selbst bei Unterstellung einer genauen Literaturanalyse, die in den Kapiteln über Mexiko und die Philippinen durchaus angenommen werden darf, ist davon auszugehen, dass der Autor kaum die Entwicklung der landwirtschaftlichen Politik von 53 unterschiedlichen Staaten, darunter z.B. Marokko, Benin, Eritrea und Südafrika eingehend studiert hat. Genau aus diesem Grund hat er ja auch beispielhaft Mexiko und die Philippinen (sowie in einem späteren Kapitel China) herausgegriffen, um allgemeine Entwicklungen zu erklären. Warum also nicht einen afrikanischen Staat? Immer wieder reden Weiße über Afrika wie über ein (homogenes) Land, meist in einem Duktus der Überlegenheit: Afrika arm – Europa reich, Afrika unterentwickelt – Europa zivilisiert etc. Für den Inhalt und die Zielrichtung des Buches ist das völlig daneben.

Rassisten aufs Maul

Zu Sarrazin und seinen rassistischen Äußerungen wird viel zuviel geschrieben. Daher verweise ich auf einen wie ich finde sehr treffenden Beitrag von Burkhard Schröder. Zitat:

Sarrazin ist die Posaune des nackten Kapitalinteresses: Der Mensch ist kein Mensch, sondern nur die Ware Arbeitskraft, die nützlich ist oder eben nicht. Das Sarrazinsche Gefasel über den Islam ist irrelevant. Vor 150 Jahren hätte er den Katholizismus der eingewanderten Polen genommen, um Einwandererbashing zu betreiben.

Damit wäre alles gesagt.

Der „Nomade“ ist zurück ! Diese Zeitung wurde schon während des No Border Camps im Calais veröffentlicht und wird nun für das No Border Camp in Brüssel wieder seine Tätigkeiten aufnehmen. Der Nomade wird wahrscheinlich in drei Sprachen publiziert ; auch während des Camps. Wenn du interessiert daran bist Artikel für den Nomaden zu schreiben oder die Zeitung zu verteilen, schreibe eine Mail an : nomade@vluchteling.be
Hier kannst du die Ausgabe Nummer #5 downloaden (Englische Version)

Krise als Katalysator

Ein interessanter Überblickstext als pdf von Gregor Kritidis zur Krise und verschiedenen Akteuren in Griechenland, in dem auch die migrationspolitischen Entwicklungen zur Sprache kommen. Der Text ist u.a. in der neuen Ausgabe des express abgedruckt.

M. ist tot

Arbeitskollege, Vorbild, Freund. Scheiße, es trifft immer die falschen. M., Rest in Peace. You are in my memories.

Punk ist auch nicht mehr das…

was es mal war.

Einen PayPal-Account vorausgesetzt, kann man das Heft für 2,99 Euro (aktuelle Ausgabe) sowie 1,99 (alle bisherigen) im auf jedem Computer lesbaren PDF-Format downloaden. (…) Und mit mobilen Geräten wie Netbook oder iPad hat es ja durchaus seinen Reiz, eine Reise ohne dicken Zeitschriftenstapel zu absolvieren.

Nein, die Rede ist nicht vom Focus oder Stern, sondern vom Ox, dem Punkrockmagazin. No future! Und die passende App gibts auch dazu.

Wichtiger Erfolg der Sans Papiers in Frankreich

Artikel von Bernhard Schmid

Nach neun Monaten Streik werden voraussichtlich 6.000 Lohnabhängige ohne Aufenthaltsstatus „legalisiert“. Der seit 12. Oktober 2009 andauernde Streik der ,travailleurs sans papiers’ (“Lohnabhängige ohne Papiere“) im Raum Paris ist seit Ende Juni dieses Jahres beendet, auch wenn ihm inzwischen eine neue Streikbewegung von Lohnabhängigen ohne gültigen Aufenthaltstitel bei einer Subfirma der Pariser Verkehrsbetriebe RATP folgte.

Der seit Oktober anhaltende Ausstand endete mit einem wichtigen Erfolg oder jedenfalls Teilerfolg für die Streikbewegung, die von einem Kollektiv aus elf Gewerkschaften und NGOs – dazu zählen die beiden gewerkschaftlichen Dachverbände CGT und CFDT, weitere Gewerkschaftszusammenschlüsse (Solidaires, UNSA, der Verband der Bildungsgewerkschaften FSU), die „Liga für Menschenrechte“, das „Netzwerk Bildung ohne Grenzen“/RESF u.a. – unterstützt worden war. (mehr…)