Archiv für Juli 2010

Willkommen Zuhause

Kurzbeschreibung
Am 14. April 2010 wurde das Rückübernahmeabkommen zwischen Deutschland und dem Kosovo unterzeichnet. Seitdem finden zunehmend Abschiebungen von Roma aus dem Kosovo statt. In den Flugzeugen sitzen Menschen, die meistens seit über zehn Jahren in Deutschland leben und nun im Kosovo ihre Heimat finden sollen. Wie gelingt es jemand, der in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, sich in einem fremden Land zuhause zu fühlen, ohne dass er die Sprache beherrscht, ohne die Möglichkeit, die Straße in Ruhe und Sicherheit zu betreten? Wie viele Träume und Hoffnungen bleiben da noch übrig? Und wie fühlt man sich, wenn vierzig Polizisten mitten in der Nacht an der Tür klingeln mit der Ankündigung: „Ihr habt 30 Minuten Zeit eure Sachen zu packen.“? Der Film ermöglicht einen Einblick in das Leben abgeschobener Roma im Kosovo und solchen die in Deutschland von der Abschiebung bedroht sind. Keines der abgeschobenen Kinder besucht die Schule; meistens übernachten alle Familienmitglieder in einem Raum; medizinische Versorgung ist den Roma nur schwer zugänglich; die wenigstens besitzen ein Bad und sogar fließendes Wasser in der Toilette zählt zum Luxus. Während die Roma in Deutschland nachts nicht ruhig schlafen können, da sie jede Sekunde mit der Abschiebung rechnen, können die Abgeschobenen im Kosovo auch nicht einschlafen vor lauter Heimweh nach Deutschland und der Angst vor rassistischen Übergriffen.

Ein Film von: cinemanda

Gedenktag für verstorbene Drogengebraucherinnen und Drogengebraucher

jesDer 21. Juli ist seit einiger Zeit bundesweiter Gedenktag für verstorbene Drogengebraucherinnen und Drogengebraucher. Zu diesem Anlass formulieren Verbände und Zusammenschlüsse von Betroffenen erneut die Forderung nach Heroin für alle die es brauchen. Der Vorsitzende der AIDS-Hilfe NRW weist darauf hin, dass der „Konsum von Drogen (…) zum Menschsein dazu(gehört).“:

Jede Gesellschaft muss sich daher entscheiden, in welcher Form sie den Drogengebrauch zulässt. In Deutschland, und natürlich auch in anderen Ländern, hat man sich dafür entschieden, die Zulässigkeit auch über die Substanz selbst zu definieren. Was die meisten Menschen eint, ist also die Einnahme von Drogen. Was sie trennt, ist die Substanz: Hier die akzeptierte Gesellschaftsdroge mit hohen steuerlichen Einnahmemöglichkeiten (z.B. Alkohol, Nikotin), dort ein Leben mit der Illegalität (z.B. Heroin, Kokain) mit allen oft brutalen Folgen.

Die brutalen Folgen sind nicht nur die 1331 Todesfälle durch Heroinkonsum (2009), sondern ebenso Zerstörung der Gesundheit, des Lebensumfeldes, des Beziehungsnetzwerkes, Kriminalisierung, Verwahrlosung und Obdachlosigkeit. Prohibition ist nicht die Lösumg, sondern das Problem.

Prohibition soll den schädlichen Konsum bestimmter Drogen verhindern. Tatsächlich kann sie dieses Ziel nicht erreichen. (…)
Wie beim Sex ist Abstinenz die sicherste Methode, um z.B. HIV Infektionen zu vermeiden, doch für die meisten ist das Zölibat keine erstrebenswerte Lebensweise. (…)
Der Staat darf die Bürger durch die Drogenpolitik nicht schädigen. Es ist deshalb notwendig, Schaden und Nutzen der Drogenpolitik ideologiefrei wissenschaftlich zu überprüfen. Das kann nach unserer Auffassung nur dazu führen, die Drogenprohibition aufzugeben und legale Bezugswege zu schaffen.

sığınak

Ashur1 kommt aus Bagdad und kam 1997 mit seiner Familie nach Istanbul. 1999 stellte er einen Asylantrag beim UNHCR, der jedoch abgelehnt wurde. Mittlerweile hat er vier Kinder. In den Irak kann und will er nicht zurück: »Ich habe dort alles aufgegeben. Ich habe vier Kinder, drei davon sind in der Türkei geboren. Bagdad ist immer noch kein sicherer Ort für eine Familie. In der Türkei habe ich keine Aussicht auf ein legales Bleiberecht, ich weiß nicht mehr, was ich machen soll.« Jetzt überlegt er, ob er auf illegalem Weg nach Europa einreisen sollte – ein unter Umständen lebensgefährliches Unternehmen.

Lesenswerte Reportage Abgeschoben oder umgesiedelt von C. Letsch in der Jungle World 28 zur türkischen Asylpolitik und wie Migrant_innen damit umgehen.

  1. Namen von der Redaktion geändert [zurück]

polyamory

Polyamory

… steht für ein Beziehungsgeflecht, in dem mehrere Liebesbeziehungen verantwortungsvoll, ehrlich, offen und verbindlich gleichzeitig entwickelt und gelebt werden.

Im Schmetterling-Verlag ist in der Reihe theorie.org mit Polyamory. Eine Erinnerung. ein lesenswertes Büchlein erschienen, das neue Perspektiven auf gleichberechtigte Beziehungen jenseits der 2er-Kiste aufzeigt.

the unwanted

Joe Sacco: Not in my country. A tale of unwanted immigrants

Der Comic-Strip erzählt vom Umgang Maltas mit den „Unerwünschten“. Hier auch in höherer Auflösung: http://www.vqronline.org/articles/2010/winter/sacco-unwanted/ und Teil 2: http://www.vqronline.org/articles/2010/spring/sacco-unwanted/

vom bullen verprügelt

amnesty international hat jetzt einen neuen bericht über menschenrechtsverletzungen bei der deutschen polizei veröffentlicht und eine kampagne gestartet. gefordert werden u.a. eine kennzeichnungspflicht für beamt_innen und eine unabhängige untersuchung von vorfällen. der bericht listet drei todesfälle auf, darunter auch den des 2005 verstorbenen asylbewerbers Oury Jalloh aus Sierra Leone, sowie zahlreiche fälle übermäßiger gewaltanwendung bis zur misshandlung.

hier ist der clip zur kampagne:

violin meets punk

In kongenialer Weise spielt The String Quartet u.a. Songs amerikanischer (Pop-)Punk-Bands nach. Das Quartett übersetzt die Melodien von Fall Out Boy, Green Day, Jimmy Eat World, My Chemical Romance und anderen in Noten für klassische Streicher. Was dabei rauskommt ist gut hörbar, besonders wenn mensch die Originale kennt (und liebt). Besonders gelungen finde ich American Jesus von Bad Religion, deshalb sei dieser Clip beispielhaft verlinkt: